Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe
FK-Musterstadt

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Ehrenamtliche Ausbilderin mit Zertifikat

Ein Interview mit Sabine Oßwalt

Die Fragen stellte Torsten Wilkens.

Torsten Wilkens: Hallo Sabine, schön dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Viele Freundinnen und Freunde im Landesverband kennen dich bereits. Aber eben doch nicht jeder. Für diejenigen, magst du dich kurz vorstellen?

Sabine Oßwalt: Hallo Torsten, vielen Dank für die Einladung. 2014 kam ich zum Freundeskreis Karlsruhe. Damals war ich 23 Jahre alt und auf der Suche nach Hilfe auf meinem Weg aus der Essstörung. Aber auch Alkoholismus, Spielsucht, Drogenmissbrauch und Co-Abhängigkeit sind mir aus meiner Familie (leider allzu gut) bekannt. Ich habe mich sofort wohlgefühlt und bin seither geblieben. Heute bin ich ehrenamtlich als Gruppenbegleiterin und im Landesverband für die Aus-und Weiterbildung verantwortlich. Fun-Fact: Hauptberuflich bin ich in der Software-Entwicklung tätig und bringe das Automatisierte Fahren voran.

Torsten Wilkens: Menschen in deinem Alter finden sich in den Freundeskreisen nicht sehr häufig. Noch viel seltener über das reine Gruppengeschehen hinaus. Verrätst du uns, was dein Antrieb für das ehrenamtliche Engagement in den Freundeskreisen ist?

Sabine Oßwalt: Die Gespräche über persönliche Herausforderungen und das gemeinsame Wachsen haben mich von Anfang an begeistert. Ich durfte dadurch sehr viel über mich selbst lernen und darüber, was eine gesunde Balance für mein Leben bedeutet. Auch die regelmäßige Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen empfinde ich als große Bereicherung. Darüber hinaus habe ich tolle Freundschaften geschlossen. Daher habe ich großen Spaß daran, mich durch meine Aktivität weiterhin damit auseinanderzusetzen, sowie den Raum dafür in unseren Freundeskreisen mitzugestalten, der das möglich macht.

Torsten Wilkens: Wir beide kennen uns seit geraumer Zeit aus der Gruppe, vor allem aber auch aus verschiedenen Arbeitsteams. Im Jahr 2019 hast du das Amt der Verantwortlichen für Aus- und Weiterbildung im Landesverband übernommen. Gab es Probleme mit der Übernahme der Verantwortung und mit welcher Zielsetzung hast du dieses Amt angetreten?

Sabine Oßwalt: Ich erinnere mich daran, dass ich mich sehr gefreut hatte, von dir gefragt worden zu sein, ob ich mir das Amt vorstellen kann. Was die Übergabe betrifft, schätze ich mich sehr dankbar, dass mein Vorgänger sein Wissen und seine Erfahrung großzügig mit mir geteilt hat und mir immer mit Rat und Tat zur Seite stand, wenn ich danach gefragt habe. Und natürlich mit einem (am liebsten ungefragten) humorvollen Blickwinkel! Wichtig war und ist mir in dieser Rolle vor allem die Vernetzung innerhalb unseres LV Baden sowie der Austausch von Wissen und Erfahrung in allen Regionen. Daher findet beispielsweise der Weiterbildungstag zweimal jährlich statt, nämlich einmal in Nord-Baden und einmal in Süd-Baden. Dazu kam die Umsetzung einer eigenen Gruppenbegleiter-Ausbildung, was zum damaligen Zeitpunkt ein Riesen-Projekt darstellte. Mittlerweile kann ich sagen, es hat sich gelohnt und das ausgearbeitete Konzept ist erfolgreich in die Tat umgesetzt worden. Zu meiner Freude wird dies von positiven bis begeisterten Rückmeldungen bestätigt.

Torsten Wilkens: Um dieses Amt noch fachkundiger ausüben zu können, hast du bei der Industrie- und Handelskammer eine Ausbildung erfolgreich absolviert. Was für eine Ausbildung ist das und was bedeutet das für deine Arbeit und die Ausbildung im Landesverband?

Sabine Oßwalt: Die „Train the Trainer“ Ausbildung der IHK setzt sich mit erwachsenengerechtem Lehren und Lernen in der Weiterbildung auseinander. Neben didaktischen und lern-psychologischen Erkenntnissen durfte ich dort eine zusätzliche Sammlung an kreativen Methoden zur Seminar-Gestaltung mitnehmen. Dieses Wissen gebe ich sehr gerne weiter und setze es für unsere Aus- und Weiterbildung im LV ein, wodurch sich ein zusätzlicher Qualitätsgewinn ergibt. Einen großen Meilenstein sehe ich darin, dass durch diese Qualifikation die Voraussetzungen für Bildungszeit des Landes Baden-Württemberg erfüllt sind. Das freut mich sowohl für unseren LV als auch für alle Mitglieder, die diese Bildungszeit in Anspruch nehmen dürfen.

Torsten Wilkens: Die bisher deutlichste Veränderung gab es bei der Ausbildung der Gruppenbegleiter/-innen. Was hast du verändert und welche Gründe waren für dich ausschlaggebend?

Sabine Oßwalt: Die inhaltliche Motivation für das neue Konzept ergab sich daraus, Themen wie Co-Abhängigkeit, Vielfalt der Süchte und TZI mit einer größeren Selbstverständlichkeit und Tiefe zu vermitteln. Ein Beispiel hierfür sind die Interviews mit sogenannten „Suchtexperten“, die Bestandteil jeder Seminareinheit sind und jedes Mal durch die persönlichen Einblicke und Geschichten das Wissen lebendig vermitteln und die Zuhörer in ihren Bann ziehen. Organisatorische Vorteile einer vom LV aus eigener Hand umgesetzten Ausbildung sind einerseits der direkte und schnelle Zugriff auf die Inhalte und eingesetzten Methoden und andererseits die Sicherung des Wissens in unserem LV. Diese Transparenz gilt auch für die Kosten. Das macht uns unabhängiger von einzelnen Personen und flexibler. Es ermöglicht uns, je nach Bedarf zu entscheiden, welche externen Referenten und Fachexperten wir einladen. Insgesamt verteilt sich die Ausbildung auf mehr Schultern, was es für die Teilnehmer abwechslungsreicher macht. Für die Zukunft ermöglicht es uns sogar, in der Ausbildung mit anderen Landesverbänden zu kooperieren.

Torsten Wilkens: Hast du einen Tipp für uns, wenn es darum geht, sich in den Freundeskreisen ehrenamtlich zu engagieren?

Sabine Oßwalt: Aus eigener Erfahrung kann ich jedem, der Lust hat sich einzubringen und sich auszuprobieren, nur Mut zusprechen. Für mich war das Engagement in der Aus-und Weiterbildung eine Idee, auf die ich außerhalb des Freundeskreises wohl nie gekommen wäre. Jetzt habe ich so viel Spaß daran, dass sich mir sogar beruflich neue Perspektiven eröffnen. Besonders dankbar bin ich an dieser Stelle auch dafür, dass ich immer das Gefühl hatte, hier nicht alles perfekt machen zu müssen, sondern auch Fehler machen zu dürfen und in meinem eigenen Tempo zu lernen. Als lehrreiches Lernfeld sehe ich hierbei auch die Balance zwischen den eigenen Grenzen und Bedürfnissen, also Selbstfürsorge, und dem eigenen Anspruch, die Aufgabe gut zu erfüllen. Aus diesen Gründen freue ich mich, wenn sich in Zukunft noch der eine oder die andere mehr traut, sich einzubringen und sich selbst damit ausprobiert. Auch speziell für die Aus- und Weiterbildung freue ich mich über Nachwuchs!

Torsten Wilkens: Liebe Sabine, herzlichen Dank für dieses Interview und die Einblicke, die du uns in deine ehrenamtliche Tätigkeit gegeben hast.